Libidoverlust in den Wechseljahren
Das Verlangen hat sich verändert: Das ist häufig, und die Gründe lassen sich einordnen.
Was passiert in deinem Körper?
Nachlassendes sexuelles Interesse oder Verlangen ist eines der häufigsten und am wenigsten offen besprochenen Symptome der Perimenopause. Es ist keine persönliche Schwäche. Oft wirken körperliche Veränderungen, Schlaf, Stimmung und die Beziehung zusammen.
Warum gerade jetzt?
Stimmungsschwankungen können zu emotionaler Distanz führen, und Erschöpfung raubt die Energie für Intimität. Testosteron bilden auch Frauen, und sinkende Testosteronspiegel können mitunter ein Grund sein, etwa nach einer Entfernung beider Eierstöcke. Tut Sex wegen Scheidentrockenheit weh, dämpft auch das die Lust. Das ist ein eigenes Thema und gut behandelbar.
Was im Arztgespräch passiert.
Die Lust ist leiser geworden und du möchtest darüber sprechen? Du beschreibst, was du bemerkst, und deine Ärztin ordnet es mit dir ein.
Vorher
Du füllst deinen Anamnese-Fragebogen aus, neun ärztlich zusammengestellte Themenblöcke zu Beschwerden, Vorgeschichte und Zielen. Vorhandene Vorbefunde lädst du in deinem Patientinnen-Cockpit hoch. Deine Ärztin wertet alles vorab aus.
Fragen zu Vorbereitung, Unterlagen und Terminen beantwortet dein Care‑Team per E‑Mail an hello@gynxtra.ch, in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Medizinische Fragen klärst du im Gespräch mit deiner Ärztin. Kann etwas nicht bis zum Termin warten, lass dich zeitnah vor Ort ärztlich untersuchen.
Für Notfälle ist dieser Weg nicht gedacht: Bei akuten Beschwerden wende dich an die nächste Notfallaufnahme oder an 144.
Im Gespräch
30 Minuten per Video, mit dem Blick nach vorne. Deine Angaben und Vorbefunde kennt deine Ärztin dann schon, ihr sprecht über deine Situation und die nächsten sinnvollen Schritte.
Danach
Dein Bericht mit Therapieplan liegt schriftlich in deinem Patientinnen-Cockpit.

Dr. med. Bettina von SeefriedÄrztliche Leitung · Fachärztin FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe
Das bekommst du
- Anamnese vorab ärztlich ausgewertet
- Rund 50 Min. ärztliche Zeit, davon 30 Min. per Video
- Schriftlicher Bericht mit Therapieplan
CHF 250einmalig
Selbstzahlerleistung
- Du verpflichtest dich zu keiner weiteren Behandlung.
- Bis 24 Stunden vor dem Termin kostenlos umbuchen oder absagen.
Wie es danach weitergeht.
- Diagnostik, wenn medizinisch angezeigt
Nur wenn sie für deinen Behandlungsplan etwas klärt. Umfang und Kosten bespricht deine Ärztin vorab mit dir.
- Behandlung nach ärztlicher Beurteilung
Ob eine Behandlung sinnvoll ist, entscheidet sich nach der ärztlichen Abklärung. Sie wird individuell auf dich ausgerichtet und genau mit dir besprochen, eine medikamentöse Therapie wird bei Bedarf eingeleitet.
- Ärztliche Begleitung
Verlaufskontrollen mit deiner Ärztin, monatlich oder alle drei Monate. Die medizinisch empfohlene ärztliche Begleitung kostet CHF 190 pro Monat oder CHF 285 pro Quartal.
Was hilft?
- Offenes Gespräch mit deiner Ärztin: Oft wirken mehrere Ursachen zusammen, und sie lassen sich ärztlich einordnen.
- Bei Trockenheit oder Schmerzen beim Sex: mehr zu Scheidentrockenheit
- Genug Schlaf und Pausen im Alltag können dir Energie zurückgeben, auch für Nähe
Ob Laborwerte weiterhelfen, klärt deine Ärztin in der Standortbestimmung.
Lust und Sexualität in Zahlen
Studien zeigen Werte von Gruppen. Deine persönliche Situation kann davon abweichen.
Warum lässt die Lust in den Wechseljahren nach?
Probleme mit Lust und Erregung werden in der Perimenopause deutlich häufiger, in Studien etwa doppelt so häufig wie in den Jahren davor. Weniger Lust ist aber nicht automatisch ein Problem. Wichtig wird es, wenn es dich oder deine Beziehung belastet. Dann lohnt es sich, darüber zu sprechen, auch wenn es dir unangenehm ist.
Sexuelle Probleme werden mit der Menopause häufiger
In einer weltweiten Auswertung gaben vor dem Übergang 35,2 Prozent der Frauen in der Lebensmitte sexuelle Probleme an, in der Perimenopause 48,8 und nach der Menopause 54,0 Prozent.3
| Menopausenstatus | Anteil mit sexuellen Problemen |
|---|---|
| Vor dem Übergang | 35,2 % |
| Perimenopause | 48,8 % |
| Nach der Menopause | 54,0 % |
Frauen in der Lebensmitte, weltweit, Gruppen nach Menopausenstatus (Definition der WHO). Was als sexuelles Problem zählt, erfragen die Studien unterschiedlich. Die Studien unterscheiden sich stark, die Werte zeigen eine Grössenordnung. Ein Problem anzugeben heisst nicht, darunter zu leiden.
Meist wirken mehrere Gründe zusammen. Mit den sinkenden Hormonen wird die Schleimhaut der Scheide dünner und trockener, Erregung braucht oft mehr Zeit, und Sex kann weh tun. Wer Schmerzen erwartet, hat seltener Lust. Mehr zu Scheidentrockenheit.
Dazu kommen schlechter Schlaf, Hitzewallungen, Erschöpfung, Stimmungstiefs und die Belastungen dieser Lebensjahre. Auch die Beziehung spielt mit, etwa Konflikte, Routine oder gesundheitliche Probleme beim Partner oder bei der Partnerin, und manche Frauen fühlen sich im veränderten Körper weniger wohl. Mehr zu Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.
Was kann sonst hinter Libidoverlust stecken?
Manche Medikamente dämpfen die Lust, etwa bestimmte Antidepressiva, manche Blutdruckmittel oder eine Antihormontherapie nach Brustkrebs. Ein Medikament setzt du nicht selbst ab, sondern besprichst die Beschwerden mit der verschreibenden Ärztin.
Auch eine Depression, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Diabetes, chronische Schmerzen oder viel Alkohol können die Lust nehmen. Nach einer Entfernung beider Eierstöcke oder nach einer Krebsbehandlung verändert sich die Sexualität oft besonders stark. Sprich das gezielt an, auch wenn niemand danach fragt.
Schmerzen beim Sex kommen nicht immer von der Trockenheit. Auch eine Infektion, eine Hauterkrankung der Vulva oder Verspannungen im Beckenboden können dahinterstecken. Kommen Ausfluss, starker Juckreiz oder Veränderungen an der Haut dazu, lass dich zuerst vor Ort untersuchen.
Was hilft bei Libidoverlust in den Wechseljahren?
Das hängt von den Gründen ab, und oft hilft eine Verbindung aus mehreren Wegen. Tut Sex weh, steht die Behandlung der Trockenheit am Anfang. Belasten Beziehung, Stress oder Stimmung, können Gespräche und eine Sexual- oder Paartherapie helfen. Belasten dich zugleich Hitzewallungen, kann auch eine Hormontherapie infrage kommen, sie ist aber nicht für jede Frau geeignet und nicht frei von Risiken.
Ohne Hormone. Schon zu verstehen, was sich in den Wechseljahren verändert, entlastet viele Frauen. Gleitmittel erleichtern den Sex, Feuchtigkeitsmittel für die Scheide helfen im Alltag. Eine Sexualtherapie, eine Paartherapie oder eine Verhaltenstherapie, auch mit Übungen zur Achtsamkeit, kann helfen, wieder Zugang zu Lust und Nähe zu finden. Sind Schmerzen beim Sex mit Verspannungen im Beckenboden verbunden, kann Physiotherapie für den Beckenboden helfen. Für pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel, die die Lust steigern sollen, fehlen gute Belege.
Behandlung direkt in der Scheide. Ist die Scheide trocken und tut Sex deshalb weh, gibt es ärztliche Behandlungen, die direkt in der Scheide angewendet werden, auch mit Hormonen, die vor allem dort wirken. Sie können Trockenheit und Schmerzen beim Sex lindern. Nach Brustkrebs wird das individuell und gemeinsam mit der Onkologie abgewogen. Ob eine Behandlung für dich passt, klärt deine Ärztin.
Hormontherapie. Belasten dich zugleich Hitzewallungen, auch nachts, kann eine Hormontherapie infrage kommen. Die Sexualität kann sich dann mit verbessern, der Nutzen ist aber meist klein. Ob sie für dich infrage kommt, hängt von deinem Alter, deiner Vorgeschichte und deinen Risiken ab. Risikofrei ist sie nicht: Je nach Form und Dauer kann sie etwa das Risiko für Thrombosen, Schlaganfälle oder Brustkrebs leicht erhöhen. Nach Brustkrebs, einer Thrombose und bei einigen anderen Vorerkrankungen kommt sie nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung infrage. Sie verhütet nicht, deshalb gehört die Verhütung in dieselbe Beratung. Mehr unter HRT im Überblick.
Wann solltest du Libidoverlust ärztlich ansprechen?
Neue, starke oder anhaltende Beschwerden lässt du ärztlich abklären. Bei plötzlichen Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, Ohnmacht, Lähmungen oder Sprachstörungen wählst du sofort den Notruf 144. Bei Gewalt oder Druck in der Beziehung, auch beim Sex, hilft dir die Opferhilfe rund um die Uhr unter Telefon 142, kostenlos und vertraulich. In akuter Gefahr wählst du den Polizeinotruf 117.
Häufige Fragen zu Libidoverlust
Ist Libidoverlust in den Wechseljahren normal?
Er ist häufig. Probleme mit Lust und Erregung werden in der Perimenopause deutlich häufiger, und viele Frauen sprechen nicht darüber. Weniger Lust ist aber nicht automatisch ein Problem. Belastet sie dich oder deine Beziehung, lohnt sich ein offenes Gespräch mit deiner Ärztin, denn meist wirken mehrere Gründe zusammen, und sie lassen sich ärztlich einordnen.
Warum habe ich in den Wechseljahren keine Lust mehr?
Meist kommt einiges zusammen. Schlechter Schlaf und Hitzewallungen rauben Energie, Stimmungstiefs und Stress dämpfen das Verlangen, und tut Sex wegen einer trockenen Scheide weh, zieht sich die Lust oft zurück. Auch die Beziehung, das eigene Körpergefühl und manche Medikamente spielen mit. Welche Gründe bei dir im Vordergrund stehen, ordnet deine Ärztin mit dir ein.
Was hilft gegen Libidoverlust in den Wechseljahren?
Das hängt von den Gründen ab. Tut Sex weh oder ist die Scheide trocken, helfen Gleitmittel, und wenn medizinisch geeignet, kommt eine Behandlung direkt in der Scheide infrage, auch mit Hormonen. Belasten Beziehung oder Stress, kann eine Sexual- oder Paartherapie helfen. Für pflanzliche Mittel, die die Lust steigern sollen, fehlen gute Belege. Was zu dir passt, klärt deine Ärztin.
Hilft eine Hormontherapie gegen Libidoverlust?
Eine Hormontherapie wird in den Wechseljahren meist wegen Hitzewallungen und anderer Beschwerden begonnen. Die Sexualität kann sich dann mit verbessern, der Nutzen ist aber meist klein. Tut Sex wegen Trockenheit weh, kommt eher eine Behandlung direkt in der Scheide infrage, wenn medizinisch geeignet. Eine Hormontherapie ist nicht für jede Frau geeignet und nicht frei von Risiken. Was für dich infrage kommt, beurteilt deine Ärztin.
Lässt sich die Lust in den Wechseljahren steigern?
Für pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel, die die Lust steigern sollen, fehlen gute Belege. Was helfen kann, setzt bei den Gründen an: Schmerzen beim Sex behandeln, besser schlafen, Druck herausnehmen und Zeit für Nähe ohne Erwartungen schaffen. Auch eine Sexual- oder Paartherapie kann helfen. Was bei dir passt, ordnet deine Ärztin mit dir ein.
Kann die Lust in den Wechseljahren auch zunehmen?
Ja, bei manchen Frauen. Die Lust verändert sich in den Wechseljahren sehr unterschiedlich: Manche erleben weniger Verlangen, andere gleich viel oder mehr, etwa weil nach der Menopause die Verhütung wegfällt oder mehr Zeit für Nähe bleibt. Meist ist das kein Grund zur Sorge. Kommt eine stark gesteigerte Lust aber plötzlich, zusammen mit neuer Behaarung im Gesicht, Haarausfall am Kopf oder einer tieferen Stimme, oder seit einem neuen Medikament, lass das ärztlich abklären.
Erstellt von der Redaktion gynxtra zur allgemeinen Information. Ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- IMS 2025: Panay N, Fenton A, Hamoda H, et al. International Menopause Society (IMS) recommendations and key messages on women's midlife health and menopause. Climacteric 2025. doi:10.1080/13697137.2025.2585487 imsociety.org ↩︎
- Shifren 2008: Shifren JL, Monz BU, Russo PA, Segreti A, Johannes CB. Sexual problems and distress in United States women: prevalence and correlates. Obstet Gynecol 2008;112(5):970-978. doi:10.1097/AOG.0b013e3181898cdb europepmc.org ↩︎
- Fang 2024: Fang Y, Liu F, Zhang X, et al. Mapping global prevalence of menopausal symptoms among middle-aged women: a systematic review and meta-analysis. BMC Public Health 2024;24:1767. doi:10.1186/s12889-024-19280-5. Lizenz CC BY 4.0 (creativecommons.org/licenses/by/4.0), eigene Darstellung, Auswahl doi.org ↩︎
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In der ärztlichen Standortbestimmung ordnet deine Ärztin deine Beschwerden ein und empfiehlt eine gezielte Diagnostik nur dann, wenn sie für deinen Behandlungsplan etwas klärt.