HRT: Was du über die Hormonersatztherapie wirklich wissen solltest
HRT hatte lange einen schlechten Ruf. Heute ist sie gut untersucht: Für viele Frauen mit Wechseljahresbeschwerden überwiegt der Nutzen die Risiken. Ob das für dich gilt, klärt deine Ärztin mit dir.
Was ist HRT?
HRT steht für Hormonersatztherapie, englisch hormone replacement therapy. Sie gleicht die Hormone aus, die die Eierstöcke in der Peri- und Postmenopause nicht mehr ausreichend bilden: vor allem Östrogen, bei vorhandener Gebärmutter zusammen mit einem Gestagen wie Progesteron. Fachleute sprechen heute auch von menopausaler Hormontherapie.
Ziel ist, Beschwerden zu lindern. Früh begonnen, bremst sie zusätzlich den Knochenabbau. Kommen die Wechseljahre schon vor 40, empfehlen die Leitlinien, sofern nichts dagegen spricht, eine Hormonbehandlung mindestens bis zum durchschnittlichen Alter der Menopause, auch ohne Beschwerden.
Wechseljahresbeschwerden in Zahlen
Rund 80 Prozent der Frauen erleben in den Wechseljahren Hitzewallungen oder Nachtschweiss, etwa jede dritte davon mittel bis stark.1
Nach der europäischen Leitlinie hat etwa jede vierte Frau nach der Menopause stark belastende Wechseljahresbeschwerden.2
Die Teilnehmerinnen der WHI-Studie waren im Mittel 63 Jahre alt, nur jede dritte war zwischen 50 und 59.3
Studien zeigen Werte von Gruppen. Deine persönliche Situation kann davon abweichen.
Warum HRT lange als gefährlich galt, und was sich seither geändert hat
2002 veröffentlichte die Women's Health Initiative (WHI) Ergebnisse, die weltweit viele Frauen und Ärztinnen verunsicherten. In der Folge verzichteten viele Frauen jahrelang auf eine Therapie, die ihnen geholfen hätte.
Heute wissen wir: Die WHI war methodisch eine solide Studie, ihre Ergebnisse lassen sich aber nur eingeschränkt auf jüngere Frauen im Übergang übertragen. Sie verwendete Östrogene aus Pferdeharn als Tablette, bei Frauen mit Gebärmutter kombiniert mit einem synthetischen Gestagen, und die Teilnehmerinnen waren im Durchschnitt 63 Jahre alt, also meist zehn und mehr Jahre nach der Menopause.
Aktuelle Leitlinien, etwa von NICE (2024, aktualisiert 2026) und der Menopause Society (2022), kommen zu dem Schluss: Für viele Frauen unter 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause überwiegt der Nutzen die Risiken.
Wichtig: Risikofrei ist HRT nicht. Wie Nutzen und Risiken für dich ausfallen, hängt von deinem Alter, deiner Vorgeschichte und der gewählten Form ab. Das bespricht deine Ärztin mit dir.
Körperidentische und synthetische Hormone: was sie unterscheidet
- Körperidentisch, oft «bioidentisch» genannt, heisst: chemisch gleich wie die körpereigenen Hormone Östradiol und Progesteron. Ein eigenes Sicherheitsversprechen ist damit nicht verbunden.
- Die Dosis richtet sich nach deinen Beschwerden und der Verträglichkeit, nicht nach einem Hormonwert.
- Deine Ärztin überprüft die Therapie mindestens einmal im Jahr. Laborwerte kommen dazu, wenn sie etwas klären.
Formen der HRT
| Form | Applikation | Hinweis |
|---|---|---|
| Gel | Haut (transdermal) | Wird auf die Haut aufgetragen |
| Pflaster | Haut (transdermal) | Gleichmässige Abgabe, ebenfalls über die Haut |
| Spray | Haut (transdermal) | Weitere Form über die Haut |
| Östrogen als Tablette | Schlucken | Möglich, bei Risikofaktoren für Thrombose wird die Haut bevorzugt |
| Lokal (vaginal) | Scheide | Bei urogenitalen Beschwerden, niedrig dosiert, wirkt vor allem an der Schleimhaut |
Über die Haut ist Östrogen in üblicher Dosis nach heutigem Wissen nicht mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle verbunden, als Tablette steigt dieses Risiko leicht.
Wer eine Gebärmutter hat, braucht zum Östrogen ein Gestagen, das die Gebärmutterschleimhaut schützt, zum Beispiel Progesteron. Bei niedrig dosiertem Östrogen in der Scheide braucht es kein Gestagen.
Was HRT bewirken kann
- Hitzewallungen und Nachtschweiss: Eine Hormontherapie kann sie nach den Leitlinien wirksam lindern. Sie ist aber nicht für jede Frau geeignet und nicht frei von Risiken
- Schlaf und Stimmung: bessern sich bei vielen Frauen mit, oft weil die Hitzewallungen nachlassen
- Knochen: Eine Hormontherapie bremst den Verlust an Knochendichte, solange die Therapie läuft
- Herz und Gefässe: Östrogen schützt die Gefässe vor Arteriosklerose, der wichtigsten Ursache von Herzinfarkt und Schlaganfall. Früh wegen Beschwerden begonnen, kann eine Hormontherapie diesen Schutz für das Herz erhalten. Vor Schlaganfällen schützt sie nicht. Je nach Form kann sie das Risiko für Schlaganfälle und Thrombosen leicht erhöhen
- Stoffwechsel: Mit dem Östrogenmangel steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes. Unter Therapie tritt Diabetes seltener neu auf
- Gehirn: Früh begonnen, kann eine Hormontherapie zum Schutz vor Demenz beitragen
Verschrieben wird eine Hormontherapie in der Regel wegen Beschwerden. Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Demenz allein wird sie nicht verschrieben.
Für wen HRT nicht oder nur mit Vorsicht infrage kommt
Nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung infrage kommt HRT unter anderem bei:
- Brustkrebs oder anderen hormonabhängigen Tumoren, auch in der Vorgeschichte
- Thrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch in der Vorgeschichte
- Ungeklärten Blutungen aus der Scheide
- Schweren Lebererkrankungen
Die Liste ist nicht vollständig. Deine Ärztin geht deine Vorgeschichte in der Standortbestimmung mit dir durch.
Worauf du unter HRT achtest
- Anfangs können Brustspannen oder Schmierblutungen auftreten, oft lassen sie nach.
- Die Brustkrebsvorsorge läuft wie empfohlen weiter. Einen neuen Knoten in der Brust, eine Einziehung der Haut oder eine veränderte Brustwarze lässt du zuerst bei deiner Gynäkologin vor Ort untersuchen.
Neue, starke oder anhaltende Beschwerden lässt du ärztlich abklären. Bei plötzlichen Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, Ohnmacht, Lähmungen oder Sprachstörungen wählst du sofort den Notruf 144. Ein schmerzhaft geschwollenes, gerötetes Bein oder erstmals auftretende migräneartige Kopfschmerzen lässt du sofort vor Ort ärztlich untersuchen, wenn nötig auf einer Notfallstation.
Wie deine Ärztin bei gynxtra vorgeht
- Ärztliche Standortbestimmung per Video: deine Beschwerden, deine Vorgeschichte und deine Ziele
- Diagnostik nur, wenn sie etwas klärt: Dann empfiehlt deine Ärztin ein passendes Laborprofil und bespricht Umfang und Kosten vorab mit dir
- Eine Hormontherapie nur, wenn sie medizinisch angezeigt ist. Eine Verordnung erfolgt nicht automatisch
- Ärztliche Begleitung mit Verlaufskontrollen, wenn eine laufende Behandlung sinnvoll ist
Quellen
- IMS 2025: Panay N, Fenton A, Hamoda H, et al. International Menopause Society (IMS) recommendations and key messages on women's midlife health and menopause. Climacteric 2025. doi:10.1080/13697137.2025.2585487 imsociety.org ↩︎
- ESE 2025: Lumsden MA, Dekkers OM, Faubion SS, et al. European Society of Endocrinology clinical practice guideline for evaluation and management of menopause and the perimenopause. Eur J Endocrinol 2025;193(4):G49-G81. doi:10.1093/ejendo/lvaf206 europepmc.org ↩︎
- Manson, WHI 2013: Manson JE, Chlebowski RT, Stefanick ML, et al. Menopausal hormone therapy and health outcomes during the intervention and extended poststopping phases of the Women's Health Initiative randomized trials. JAMA 2013;310(13):1353-1368. doi:10.1001/jama.2013.278040 pmc.ncbi.nlm.nih.gov ↩︎
Häufige Fragen zur HRT
Wofür steht die Abkürzung HRT?
HRT steht für Hormonersatztherapie, englisch hormone replacement therapy. Fachleute sprechen heute auch von menopausaler Hormontherapie. Sie gleicht in den Wechseljahren vor allem Östrogen aus, das die Eierstöcke nicht mehr ausreichend bilden, bei vorhandener Gebärmutter zusammen mit einem Gestagen. Verschrieben wird sie in der Regel wegen Beschwerden und nur, wenn sie medizinisch geeignet ist.
Ist HRT sicher?
Für viele Frauen unter 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause überwiegt nach aktuellen Leitlinien der Nutzen einer HRT die Risiken. Risikofrei ist sie nicht: Östrogen als Tablette erhöht das Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle leicht, eine kombinierte Therapie aus Östrogen und Gestagen das Brustkrebsrisiko. Ob HRT für dich passt, klärt deine Ärztin mit dir.
Welche Nebenwirkungen und Risiken hat eine Hormonersatztherapie?
Zu den wichtigsten Risiken einer Hormonersatztherapie gehört ein leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen, Schlaganfälle und Brustkrebs. Bei Thrombosen und Schlaganfällen gilt das vor allem für Östrogen als Tablette, bei Brustkrebs für eine kombinierte Therapie aus Östrogen und Gestagen, abhängig von der Dauer. Wer eine Gebärmutter hat, braucht zum Östrogen ein Gestagen, sonst steigt das Risiko für Krebs der Gebärmutterschleimhaut. Anfangs können Brustspannen oder Schmierblutungen auftreten, oft lassen sie nach. Was davon für dich gilt, bespricht deine Ärztin mit dir.
Bekomme ich Brustkrebs von HRT?
Bei einer kombinierten Therapie aus Östrogen und Gestagen steigt das Brustkrebsrisiko leicht und nimmt mit der Anwendungsdauer zu. Östrogen allein, das nur nach einer Gebärmutterentfernung infrage kommt, erhöht es kaum oder gar nicht. Bei Brustkrebs in deiner Familie wägt deine Ärztin besonders sorgfältig ab.
Wie schnell wirkt HRT?
Erste Verbesserungen bei Hitzewallungen und Schlaf zeigen sich oft nach zwei bis vier Wochen, die volle Wirkung meist nach bis zu drei Monaten. In dieser Zeit passt deine Ärztin die Dosis bei Bedarf an. Risikofrei ist eine HRT nicht. Ob sie für dich infrage kommt, klärt deine Ärztin deshalb vorher mit dir.
Welche Dosierung ist bei einer Hormonersatztherapie richtig?
Eine für alle richtige Dosierung gibt es nicht. Kommt eine Hormontherapie für dich infrage, wählt deine Ärztin die Dosis nach deinen Beschwerden und danach, wie du sie verträgst, nicht nach einem Hormonwert. Ziel ist die niedrigste Dosis, die deine Beschwerden ausreichend lindert. Kommen die Wechseljahre schon vor 40, gelten andere Ziele. In den ersten Monaten passt deine Ärztin die Dosis bei Bedarf an, danach überprüft sie die Therapie mindestens einmal im Jahr. Ändere die Dosis nicht ohne Rücksprache, denn bei vorhandener Gebärmutter muss das Gestagen dazu passen.
Brauche ich zusätzlich ein Gestagen?
Wenn du eine Gebärmutter hast, ja. Ein Gestagen, zum Beispiel Progesteron, schützt die Gebärmutterschleimhaut. Wurde die Gebärmutter vollständig entfernt, reicht meist Östrogen allein. Ausnahmen, etwa nach Endometriose, bespricht deine Ärztin mit dir. Bei niedrig dosiertem Östrogen in der Scheide braucht es kein Gestagen.
Sind Blutungen unter einer Hormonersatztherapie normal?
In den ersten sechs Monaten einer HRT und in den ersten drei Monaten nach einem Wechsel von Dosis oder Präparat sind unerwartete Blutungen häufig. Halten sie länger an oder treten sie danach auf, lass sie bei deiner Gynäkologin vor Ort abklären, ebenso eine monatliche Blutung, die ungewohnt stark oder lang ist. Ob bei dir eine monatliche Blutung vorgesehen ist, hängt davon ab, ob du das Gestagen jeden Tag oder nur an bestimmten Tagen anwendest. Stört dich die Blutung, setz das Gestagen nicht selbst ab, denn es schützt die Gebärmutterschleimhaut.
Bis zu welchem Alter ist eine Hormonersatztherapie möglich?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Am günstigsten ist das Verhältnis von Nutzen und Risiken, wenn die Therapie vor 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause beginnt. Beginnt sie später, sind die Risiken etwa für Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombosen höher, deshalb wägt deine Ärztin sorgfältiger ab. Eine laufende Therapie endet nicht mit einem bestimmten Alter, deine Ärztin überprüft sie mindestens einmal im Jahr mit dir.
Wie lange kann ich HRT nehmen?
Es gibt keine feste Obergrenze. Wie lange eine Therapie sinnvoll ist, überprüft deine Ärztin mindestens einmal im Jahr mit dir. Bei einer kombinierten Therapie steigt das Brustkrebsrisiko mit der Dauer leicht, das gehört in diese Abwägung.
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Ärztliche Standortbestimmung · CHF 250 · Diagnostik nur, wenn sie etwas klärt